Hygge – Phantomschmerz der Moderne?
Im aktuellen Philosophiemagazin sei – abgesehen vom sich aufdrängenden Hauptthema “Und woran zweifelst du? Leitfaden für das postfaktische Zeitalter” – auch noch ein andere
r Artikel besonders empfohlen: Er (bzw. sein Autor Nils Markwardt) setzt sich mit dem Phänomen “Hygge” auseinander und begibt sich auf die Spuren einer Nationalphilosophie, die von der Romantik bis ins Zentrum heutiger Sehnsüchte führt. Der Begriff Hygge stammt aus Dänemark und bezeichnet einen besonders vielversprechenden Weg zum Glück. Genuß, gutes Leben, Kuscheldecken und Kerzenschein werden damit assoziiert. Der Hype des weit über Wellness hinausgehenden Glücksversprechens hat seit einigen Monaten die USA und England erfasst und schwappt nun auch in den deutschsprachigen Raum über: Bücher zum Thema avancieren schnell zu Bestsellern. Und dennoch geben die Hygge-Ratgeber damit mehr Fragen als Antworten auf, so der Journalist, der auch die Kehrseite der Strömung erforscht.
Womöglich lässt sich im Hype um Hygge auch eine Art metaphysisches Bedürfnis erkennen, das gerade heute immer größer wird… die Sehnsucht nach Behaglichkeit als Projektion der eigenen Verluste?



ichts ist so verführerisch wie die Sprache dachte ich zu Beginn meines Philosophiestudiums. Die Kunst virtuoser Ausdrucksweise – mit all ihren Mehrdeutigkeiten, Unschärfen und ideologischen Verführungen. Lieber denken oder dichten? erwog ich damals – und auch, was mich wohl mehr faszinierte. Dass die beiden einander ausschliessen könnten, war undenkbar, für mich waren sie niemals Gegensätze. Später wollte ich über die Erotik der Sprache bei Nietzsche dissertieren. Es kam anders; aber die Faszination des Poetischen einerseits und des analytischen Denkens andererseits blieb für mich immer bestehen. Wenn Lyrik und Philosophie aufeinander treffen, kann das wahre Glücksgefühle auslösen; das weiß jeder, dem die beiden verwandten Arten je gemeinsam begegnet sind – sei es bei Nietzsche, Safranski oder eben 



Dass das “postfaktische Zeitalter” angebrochen sei, hört man immer öfter… ein Begriff, den ich übrigens für ziemlich schwachsinnig halte – erstens, da es kein neues Phänomen ist, dass Fakten Gefühlen gegenüber eine untergeordnete Rolle spielen… auch wenn man das angesichts der extremen Datenfluten prima vista kaum glauben mag. Schon der griechische Philosoph Epiktet hat dereinst festgestellt: Nicht die Tatsachen bestimmen über das Zusammenleben, sondern die Meinungen über die Tatsachen. Dass dieser Sachverhalt (gesellschafts- wie tages-) politisch und strategisch hinlänglich ausgenützt wird, liegt freilich auf der Hand. In der postfaktischen Wahrnehmung stören Fakten, die nicht ins eigene Weltbild passen, man will die Tatsachen eigentlich nicht so genau wissen. “Das, was man fühlt, ist auch Realität”, ist ein typischer postfaktischer Satz. “Aus der Politik weiß man, dass Diktatoren und Demagogen sich gerne dieser Methode bedienen, die Wahrheit wird für die eigene Ideologie zurechtgebogen (
