Peter Kampits ist mit 83 Jahren gestorben. Ich verdanke ihm einige „sehr gut“ auf Seminarzeugnisse und mochte seinen ethischen Ansatz und seine Liebe zu den französischen Existentialisten. Auch seine Einstellung zu einem selbstbestimmten Sterben. Ich hoffe für ihn, dass er sein eigenes akzeptieren konnte.
Zu seinem 80. Geburtstag schickte ich ihm zwei meiner Bücher aus der Reihe „Die Philosophen kommen“, in Band 2 gibt es ein Interview mit ihm. Er dankte und schrieb mir, dass er sich sehr darüber gefreut habe. Mehr zu seiner Person bei science.ORF.at.
Als das neue Philosophie Magazin in meinem Postfach liegt – Thema „KI und ich“ – sehr empfehlenswert übrigens! – mit einem Immanuel Kant-Bot zum Experimentieren und vielen spannenden Geschichten – fällt mir eines der vielen Interviews ein, die ich geführt habe – mit dem großen amerikanischen Informatiker, MIT-Professor und KI-Experten Joseph Weizenbaum. Das war 1991, also vor 35 Jahren. Ich gebe meinen und Weizenbaums Namen ins Web ein und lese:
Übersicht mit KI:
Das vielbeachtete Interview zwischen der österreichischen Journalistin und Publizistin Marion Fugléwicz-Bren und dem KI-Pionier sowie Computerkritiker Joseph Weizenbaum fand im Jahr 1991 statt. Es erschien ursprünglich in Publikationen wie Der Standard und der Computerwelt und wurde später in das Buch Zurück in die Zukunft: Interviews, Essays, Kolumnen aufgenommen. [1]
Kernaussagen des Interviews
Kritik an der KI: Weizenbaum, der 1966 den wegweisenden Chatbot ELIZA entwickelte, reflektiert in dem Gespräch über seine Wandlung zu einem der schärfsten Kritiker der Künstlichen Intelligenz. [1, 2]
Menschliche Vernunft: Er bezog sich dabei stark auf seine Thesen aus dem bahnbrechenden Buch Die Macht des Computers und die Ohnmacht der Vernunft und warnte davor, menschliches Urteilsvermögen und Verantwortung durch Maschinen ersetzen zu wollen. [1, 2, 4]
Wahrheitsanspruch: Weizenbaum betonte oft, dass die Gesellschaft dazu neigt, Computeraussagen unreflektiert zu glauben, was er im Kern auf die Frage reduzierte: “Mein Vater sagte früher, es steht in den heiligen Büchern. Heute sagt man, der Computer hat gesagt.” [1]
Und hier geht´s zum Interview. Erstaunlich, wie viel Gültigkeit die Aussagen dieses Textes in der nächsten Generation noch haben…
„Amerikaist bald kaputt…” und … “Technologie ist nie gefährlich. Die Gesellschaft ist es.”
Mit dem Computerwissenschafter und -kritiker Joseph Weizenbaum sprach Marion Fugléwicz im Rahmen des Europäischen Technologieforums in Klagenfurt.
Was heute für die großen Forschungslabors bereits Gedankengut von gestern ist, davon hat der Endverbraucher zum Großteil noch nicht einmal gehört. Beim Europäischen Technologieforum in Klagenfurt sprachen Forschungschefs großer Konzerne und anerkannte Wissenschafter über technologische Entwicklungen.
Sie haben im Laufe Ihrer kritischen Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften – also zum Beispiel 1976 in ihrem Buch “Die Macht des Computers und die Ohnmacht der Vernunft” einige Prognosen gemacht, die bislang nicht verwirklicht wurden. Welche davon würden Sie heute revidieren, was hat sich seit damals verändert und wie geht es weiter?
Also, wenn Sie mich fragen, mit welcher Sicherheit wir überhaupt irgendetwas prognostizieren können, so sage ich Ihnen – mit gar keiner. Mir fällt da vor allem eine Stelle ein, an der ich von sprachverstehenden Computersystemen gesprochen habe. Damals sagte ich, daß solche Computer in Zukunft nur von Regierungen und Großkonzernen eingesetzt werden würden. Erstens würde sich niemand sonst diese Systeme leisten können, zweitens würden diese Computer eine große Gefahr für die Menschheit darstellen. Heute muß ich zugeben, daß ich mich diesbezüglich geirrt habe.
Heute sehe ich ein, daß auch kleinere Computer – bis zu einem gewissen Grad – Sprache verstehen können. Bald werden wir Computer haben, mit denen wir so sprechen können, daß sie uns verstehen, ja, uns vielleicht sogar politisch korrigieren können. Das bringt die Frage nahe, was es überhaupt bedeutet, Sprache zu verstehen. Diesbezüglich habe ich den Fortschritt nicht richtig vorausgesehen.
Welche Anliegen würden Sie in diesem Zusammenhang als besonders dringlich bezeichnen und welche Ratschläge können Sie jedem einzelnen geben?
Es ist zum Beispiel dringend notwendig, sich kritischer mit dem Computer im Zusammenhang mit Kindern auseinanderzusetzen – ob nun in der Schule oder zu Hause. Da spielt dann auch der Faktor Gewalt mit hinein. Mit dem Begriff Gewalt kommt zwangsläufig das Militär in die Diskussion. Man kann gar nicht oft genug darauf hinweisen. Ich habe es – etwa in dem von Ihnen erwähnten Buch – zu wenig getan, bin aber heute dabei, es nachzuholen.
Eine sehr zentrale Frage, die sich zum Beispiel im Zusammenhang mit der Einführung des Computers in den Unterricht stellt, hängt mit unserer Gesellschaft zusammen…
Richtig. In der Zeit, die unsere Kinder mit dem Computer verbringen, können sie andere Dinge nicht tun oder lernen, die vielleicht genauso wichtig – oder wichtiger wären.
(Nach amerikanischem Schulsystem kann etwa irgendein Lehrfach wie Geschichte oder Englisch durch das Fach EDV ersetzt werden, Anm. d. Red.)
Was verstehen Sie unter der Kultivierung der Bedürfnisse?
Nehmen Sie als Beispiel das hochauflösende Fernsehen (HDTV). Kein Mensch braucht es. Und doch werden wir es in zehn Jahren alle haben. Es ist einfach eine Frage des Bewußtseins. Sie müssen wissen, daß ein Drittel unserer Jugend in den Vereinigten Staaten Analphabeten sind. Dort müssen wir ansetzen, beim sozialen Bewußtsein anstatt beim weiteren Technologiewachstum. Denn wenn wir es nicht tun, ist die USA bald kaputt. Sehen Sie einmal nach Japan, oder auch nach Europa. Nicht, daß wir in Amerika keine wirtschaftlichen Fortschritte machten – gerade am Elektronikmarkt – aber die Weltkonkurrenz kann ohne uns rechnen. (Fortschritt und Fortschritt ist zweierlei, Anm. d. Red.) Auf der anderen Seite explodiert der Hardwarefortschritt, in zehn Jahren werden PCs dieselbe Rechenarbeit leisten, zu denen heute riesige Großrechner notwendig sind. Diese Entwicklung läuft – in Relation – zu schnell. Wir sollten uns mit mehr Bedacht fortbewegen.
Liegt also im technologischen Fortschritt eine Gefahr für den Menschen?
Technologie ist nie gefährlich. Gefährlich ist die Gesellschaft. Man muß auch den Computer in einem sozialen Kontext sehen. Denken Sie nur an die zahllosen Computerspiele für Kinder. Es gibt auch Messer und anderes Kriegsspielzeug. Wenn etwas daran gefährlich ist, dann sind es nicht die Messer und die Computer, sondern die Eltern, die ihren Kindern alle diese Dinge in die Hand geben.
Sie haben einen sehr kritischen Ansatz zum Thema “Künstliche Intelligenz”: Einmal haben Sie das Bestreben, einen künstlichen Menschen herzustellen, als eine Art Gebärmutterneid der Männer bezeichnet, die sich damit beschäftigen.
Also das ist ein sehr vielschichtiger Fragenkomplex – den kann man nicht so schnell beantworten. Das Problem ist, daß jeder etwas anderes unter “künstlicher Intelligenz” versteht – es ist tatsächlich in erster Linie eine Frage der Definition, wo man den Beginn der künstlichen Intelligenz ansetzt. Einer ihrer Väter – er ist übrigens auch derjenige, der ihr den (problematischen, erg. Red.) Namen gegeben hat – John Mc Carthy, behauptet, daß auch schon ein Thermostat, der die Raumtemperatur reguliert, eine “künstliche Intelligenz” darstellt. Andere wieder glauben, daß sie dort beginnt, wo wir uns in unserer Sprache mit dem Computer unterhalten können (was heute bereits bedingt möglich ist, Anm. d. Red.)
Eines ist jedenfalls klar: Wir werden einen Computer niemals so programmieren können, daß er wie ein Mensch denkt, weil er von seiner Struktur her komplett anders ist, als wir.
Welcher wissenschaftlichen Fakultät, politischen Gruppierung oder sonstigen meinungsbildenden Zielgruppe obliegt es, letztlich die Verantwortung zu übernehmen, damit uns die Gefahren nicht über den Kopf wachsen?
Abgesehen vom Erziehungswesen und den gesamtgesellschaftlichen Strukturen – die sehr komplex sind – sind wir in gewisser Weise alle angesprochen. Jeder einzelne von uns kann und muß in seinem persönlichen und beruflichen Wirkungsbereich nach seiner Einsicht und nach seinen Möglichkeiten Zeichen setzen.
Vor 75 Jahren ist Ludwig Wittgenstein gestorben, heute ist der österreichische Philosoph vielleicht aktueller denn je. In Zeiten von Onlinedebatten und KI zeige er, dass „viele unserer gesellschaftlichen Konflikte nicht nur aus mangelndem Wissen entstehen, sondern einfach aus Missverständnissen darüber, wie unsere Sprache funktioniert“, so der Philosoph Volker sagt Volker Munz, Vorstand des Instituts für Philosophie der Universität Klagenfurt, im Gespräch mit ORF Wissen.
Nur vier Jahre nachdem Ludwig Wittgenstein am 29. April 1951 starb, wurde der Begriff „künstliche Intelligenz“ erstmals verwendet – und zwar vom US-amerikanischen Informatiker John McCarthy im Antrag für eine Konferenz, die im Sommer 1956 unter dem Namen „Dartmouth Summer Research Project on Artificial Intelligence“ stattfand“ schreibt Romana Beer auf science.orf.at. „Viele der Grundfragen, die uns heute beschäftigen, sind bei Wittgenstein bereits verankert“, so Volker Munz.
Wittgensteins Aussage, nach der die philosophischen Probleme entstehen, wenn die Sprache feiert, zielt vor allem auf die Metaphysik, so das Philosophie Magazinin einem spannenden Essay zum 75. Todestag. Gerade dort nämlich, meint Wittgenstein, „verlieren Ausdrücke wie „Sein“, „Gegenstand“ oder „Ich“ ihre uns vertraute Gebrauchsweise, ihre angestammte Heimat. Tatsächlich empfinden wir die Metaphysik, welche als philosophische Grundlagendisziplin das Seiende als solches zum Thema macht, allzu oft als nebulös und kaum verständlich.“
Was würde der Philosoph über unser heutiges digitales Zeitalter wohl sagen? Er würde wohl vor allem zum Thema „künstliche Intelligenz“ bestimmt nicht schweigen…
Das heurige Philosophicum in Lech beleuchtet wieder ein höchst aktuelles Thema aus mehreren spannenden Perspektiven. „Unser Leben wird offenbar immer bequemer. Für nahezu alle Fragen des Alltags stehen Apps, Bots und Algorithmen zur Verfügung, die uns beraten, anweisen oder gleich ganz die Entscheidung abnehmen.
Der Influencer weiß, was angesagt ist, die Smart Watch zählt für uns Schritte und Kalorien, der „Social Bot“ lässt uns wissen, welche Morgenrituale uns durch den Tag helfen und der „Spiritual Guide“ führt uns zu seelischem Wachstum. Immer mehr Menschen delegieren einen Gutteil ihrer Arbeit an eine KI: Diese organisiert Termine, beantwortet E-Mails, schreibt Seminararbeiten, plant die Ferienreise, wählt Musik und Lektüren für uns aus und vermittelt sogar das perfekte romantische Date. Und wer sich im Zeitgeschehen orientieren will, sieht sich mit einem Heer von medialen Meinungsmachern konfrontiert, das uns mit den „richtigen“ Wahrheiten, Gefühlen, Einstellungen und Haltungen versorgen will. Akzeptiert man solche Angebote, befindet man sich schnell in einer Blase oder Echokammer, die man nur ungern verlässt, schließlich fühlt man sich wohl in einer Gemeinschaft der Gleichgesinnten, die Zweifel an der eigenen Weltsicht erst gar nicht aufkommen lässt.
Wer will, genießt heute die Rundumversorgung, im Denken wie im Leben. Immer ist jemand da, der suggestiv versichert, er wisse, wo es lang geht. Und wie gerne verfallen wir diesen Sirenengesängen der Beeinflusser, Ideologen und Propagandisten. Was, so könnte man fragen, ist eigentlich aus den Idealen der Aufklärung geworden?“
Ein hochbrisantes Themenspektrum, das uns alle betrifft… eine prickelnde Atmosphäre, renommierte Denker wie Richard D. Precht oder Rüdiger Safranski – Streitgespräche, lustvolle Diskussionen… eine helle Freude für geistig interessierte Zeitgenossen.
Kann man Perspektiven verschenken? Blickwinkel? Gedanken? Auszeit? Denkzeit? Und: Wie ist die Idee zur Buchreihe „Die Philosophen kommen“ entstanden? Wer kommt hier zu Wort?
Schenken Sie sich und anderen ein Privileg, das wir uns vielleicht öfter leisten sollten: Nachfragen, Differenzieren, Zuhören. Oder Lesen! …
Schenken Sie Gedanken. Philosophisches. Fragen, Antworten, Perspektiven. Nuanciert. Aus verschiedenen Blickwinkeln. Schenken Sie Bücher aus der Reihe „Die Philosophen kommen“. Interviews mit zahlreichen zeitgenössischen Philosophen – wie Liessmann, Pfaller, Scobel, Zizek… mit TED Konferenz-Speakern und Philosophie Festival-Veranstaltern…
Überall erhältlich – ob online oder beim Buchhändler Ihres Vertrauens auf Bestellung.
Die Philosophen kommen. Und vielleicht sind gerade sie die neuen Vorbilder, die unsere aufgeklärte Welt heute braucht; sind sie es doch, die sich aufs Denken verstehen – aufs Nach-, Quer- und vielleicht auch Umdenken. Im Stillen und in der Öffentlichkeit.
Welchen Praxisbezug, welche Möglichkeiten hat Philosophie heute, im Zeitalter digitaler Medien? In einer Welt, in der alles im Umbruch ist? Sind Werte Luxus? Was ist gutes Leben? Und – wie ist das mit der Erinnerung? Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken.
Wenn man Till Brönners Interpretationen italienischer Songs hört, die er mit der Frankfurt Radio Big Band spielt und sie mit den Originalversionen vergleicht – etwa Rocco Granatas Marina, Paolo Contes Via Con Me oder Enrico Carusos O Sole Mio ist es, als ob man vor einem Marktstand steht und sich zwischen Kochschinken und Prosciutto Crudo entscheiden soll. Was vielleicht unfair erscheinen mag, da ich die beliebten und bekannten Originalfassungen durchaus sehr mag. Dennoch ist Tills Eleganz eine andere, die sich durch das spürbare Dolce Vita zieht, der Duft nach Zypressen ist ein bisschen subtiler, das Rauschen des Meeres ein bisschen tiefblauer, feiner und farbenfroher als geliebt-gewohnt. Nuancierter. Differenzierter. Sinnliches Vergnügen pur.
Schade, dass Jazz – ebenso wie Philosophie – in unseren Breiten nicht präsenter sind.
Weibliche Philosophinnen – gibt es nicht? Im Gegenteil. Eine beeindruckende Zahl von Frauen prägte die moderne Philosophie und damit das Denken der letzten zweihundert Jahre. Die norwegische Philosophin und Professorin in Philadelphia Kristin Gjesdal präsentiert elf außergewöhnliche Frauen, die zu unrecht aus der Geschichte der Philosophie verschwunden sind.
Man muss keine radikale Feministin sein, um eines klarzustellen: Ohne das Wissen der Frauen wäre die Welt, in der wir heute leben, undenkbar. Seit der Antike haben Frauen über Metaphysik, Ethik, Naturphilosophie, Gesellschaft und Politik nachgedacht und geschrieben. Der Geist, er hat kein Geschlecht – die Denker freilich, sie haben ein solches sehr wohl. Wir denken uns „den Philosophen“ aber unweigerlich als männlich. Das ist simpel und einfach falsch.
Um nur eine der philosophischen Rebellinnen herauszugreifen, die ich besonders schätze: Man erfährt Spannendes über Lou Andreas Salomé, die ich in diesem Blog auch schon mehrmals erwähnte – wie etwa dass Philosophie und Poesie – unter anderem – die wichtige Aufgabe hätten nicht zu kategorisieren oder zu trennen, sondern vielmehr die Lebenskraft des Erotischen zu beschreiben. Etwa dass das Individuum in einem größeren Zusammenhang aufgeht: sei es in der geliebten Person, in sozialer Gemeinschaft oder in der grandiosen Natur.
Aber auch etwa Simone de Beauvoir zum Thema Existenz und Freiheit und einige andere außergewöhnlich kluge Frauen in diesem Buch verdienen philosophische Aufmerksamkeit. Ein heißer Tipp für kühler werdende Tage.
Konrad Paul Liessmann und Barbara Stöckl waren die Gastgeber eines weiteren Philosophischen Forums im nächtlichen ORF. Das spannende Thema diesmal: Liebe, Leidenschaft und Ehe – Wie geht Beziehung heute?
Die Sehnsucht nach Nähe, Geborgenheit und einem gemeinsamen Lebensentwurf besteht alters- und generationenübergreifend. Auch ältere Menschen hoffen noch auf die große Liebe. Die Freiheit unserer Zeit bringt zugleich große Herausforderungen für Lust- und Liebesfragen: Wie verändern Selbstoptimierung und Dating-Apps unsere Bindungsfähigkeit – und unser Bild von Liebe? Was ist Liebe überhaupt? Und braucht es dazu noch die Institution der Ehe?
Ein spannendes Gespräch mit einer Menge von unterschiedlichen Perspektiven zur Liebe, zur Ehe, zu Macht, Dating Apps, Polyamorie, AI und vieles mehr. Für mich sehr schön, als Barbara Stöckl zum Ende der Sendung den Philosophen Liessmann fragt, ob Philosophie überhaupt die richtige Disziplin sei, sich dieser Frage zu widmen – darauf seine (von mir nicht ganz unerwartete) lachende Antwort: Abgesehen davon, dass die Philosophie die geeignete Disziplin sei, sich allen Dingen zuzuwenden, stecke ja schließlich auch in ihrem Namen die Liebe drinnen (die Liebe zur Weisheit).
Die Gäste: Emilia Roig, Politologin, Robert Pfaller, Philosoph, Martina Leibovici-Mühlberger, Ärztin und Psychotherapeutin, Cornelia Mooslechner-Brüll, philosophische Praktikerin Martin Lintner, Moraltheologe
Mami, warum ist eigentlich alles so wie es ist (und nicht anders)? Mit dieser und ähnlichen Warum-Fragen habe ich meine Mutter schon als Kleinkind teils amüsiert, teils verblüfft. Die Frage, warum es überhaupt etwas und nicht nichts gibt, ist freilich eine tiefgründige philosophische und kosmologische und wird seit Jahrhunderten diskutiert. Auf die Frage nach dem Grund der Existenz gibt es keine einfache Antwort, und sowohl Philosophen als auch Physiker haben sich jahrhundertelang damit auseinandergesetzt.
In der Sinnkrise entgleiten Ziele, Werte und Deutungen des Lebens. In der säkularisierten Moderne wird sie zur verbreiteten Erfahrung. Wie lässt sie sich beschreiben? Und welches Potenzial liegt in ihr?
Die aktuelle Ausgabe des Philosophie Magazins stellt die Frage ebenso und versucht auf bewährt vielerlei Weise sie zu beantworten. Etwa berichten fünf Personen von ihren persönlichen Sinnerfahrungen, die zum Teil aus Brüchen erwachsen sind. Die Ethik-Professorin Eva Weber-Guskar hat für jede Geschichte eine philosophische Deutung parat.
Da Sinn freilich etwas höchst Subjektives ist, muss sich dieser Frage wohl jeder Mensch selbst stellen, beziehungsweise nach Antworten suchen. Eine lebenslange, spannende und zuweilen höchst überraschende Reise.
Douglas Rushkoff, Internet-Pionier, Autor und Medientheoretiker gab mir die Erinnerung an die Leidenschaft zurück, die ich empfunden habe, als ich 1989 das erste Mal von Internet, Cyberspace und Virtual Reality hörte und enthusiastisch darüber zu schreiben begann. Dutzende Konferenzen, Interviews, ja sogar ein eigenes Medium namens „Intertech“, dessen Chefredakteurin ich war, eröffneten mir für die darauffolgenden Jahre eine neue Nische im Journalismus, die ich voller Faszination in zahlreichen Printmedien ausfüllte. In dieser Sternstunde Philosophie – Thema „das Mindset der Tech-Milliardäre – Survival of the fittest“ – macht Rushkoff fühlbar, was in den letzten 35 Jahren passiert ist und wie es geschehen konnte, dass unsere (digitale) Welt heute dort ist, wo sie ist.
In den frühen 1990er-Jahren erträumten sich digitale Pioniere wie Douglas Rushkoff das Internet als machtfreien Ort, der allen Zugang zu Informationen bieten würde, wo man sich untereinander frei austauschen könnte. Doch statt globaler Vernetzung und barrierefreier Bildung machten Unternehmen wie Google, Amazon, Facebook oder Apple aus dem offenen Netzwerk immer mehr einen von wenigen Akteuren dominierten Markt.